Michelstadt · Religion & Faith
Pfarrgemeinde St. Sebastian
Pfarrgemeinde St. Sebastian
Pfarrgemeinde St. Sebastian, Michelstadt, katholische Gemeinde und Kirchengebäude.
Die Pfarrgemeinde St. Sebastian in Michelstadt ist eine katholische Gemeinde, die 1953 gegründet wurde, um den vielen katholischen Heimatvertriebenen aus den ehemaligen Ostgebieten einen kirchlichen Zuhause zu bieten. Das Kirchengebäude steht am Hang, ist geostet und vollständig unterkellert, wobei unter dem Altarraum eine Werktagskapelle sowie Gemeinderäume untergebracht sind. Architekturbildlich soll Albert Boßlet zeigen, dass das Raumkonzept der Romanik in die heutige Zeit übertragen werden kann. Vom Westen führen zwei breite Treppen auf ein Plateau zum Eingang, wo sich eine Loggia mit vier Säulen bis zum Dach erhebt. Der schlichte Saalbau besteht aus Kalksteinsichtmauerwerk sowie Stahlbeton. Vom Haupteingang im Westen mit einem großen Rundfenster darüber betritt man die Kirche und schaut auf den eingezogenen, etwas erhöhten Altarraum. Ein durchlaufendes Fensterband gliedert die Seitenwände des Langhauses unterhalb der Decke sowie im unteren Wandbereich auf jeder Seite sieben Fenster mit Szenen des Kreuzwegs zu sehen sind. Alle Fenster wurden als Beton-Glas-Fenster ausgeführt, damals ein Novum. Der Chorraum ist um vier Stufen erhöht und wird durch das Glasfenster des entschlafenen Christus am Kreuz dominiert. Unter dem Chorfenster an der Wand steht auf einem Marmorfuß mit Ablageplatte der Tabernakel. Der Opferaltar ist ebenfalls aus Marmor mit einer großen Mensaplatte. Links und rechts des Altars, zur Gemeinde vorgerückt, steht je ein Ambo. An der Stirnwand des Langhauses sind zwei Heiligenfiguren in je einer stilisierten Nische zu sehen: links Maria mit Kind und rechts der hl. Sebastian, Patron der Kirche. Das Marmor-Taufbecken steht mittig im Mittelgang der Bankreihe, die an dieser Stelle mit einem Quergang kreuzt. Die Kirche erhielt aus Geldmangel einen Stragula-Boden, d. h. eine ölhaltige Linoleum-Imitation aus imprägnierter Bitumenpappe. Die Fenster im Chorraum schufen der Michelstädter Glasmaler Heinz Hindorf (1909–1990) und Karl Seidel. Das Fenster der Ostwand zeigt ein Kruzifix mit Korpus (8 m), bei dem die Farbpalette 30 verschiedene Tönungen aufweist: vorwiegend Blautöne (Himmel, Treue zu Gott und dem Glauben), aber auch Rot (Martyrium Jesu) und Grün (Leben) kommen vor. Die seitlichen Fenster im Altarraum zeigen die Gaben Brot und Wein. Hier herrscht eine gelbe Farbpalette vor. Die Fenster des Langhauses sind das Werk des Kunstmalers Walter Bettendorf (1924–2004) aus Konz. In der oberen Fensterreihe sind Bibelstellen thematisiert: Aus dem Alten Testament, Buch Daniel (Dan 3,1ff. Die drei jungen Männer im Feuerofen) und dem Neuen Testament, der Offenbarung des Johannes (Offb, Kapitel 5). Auch hier ist Blau eine der Grundfarben. Im unteren Wandbereich ist der 14-Stationen Kreuzweg als Betonglasfenster eingesetzt, der eine intensivere Farbgebung hat, da hier Rot als Farbe des Martyriums hinzuträt. In ähnlicher Farbgebung gestaltete Bettendorf die Rosette (Dm 5,5m) über dem Haupteingang, die den Erzengel Michael mit der Schlange kämpfend zeigt. Mit ihm soll das Böse abgewehrt werden. Das Glas kam aus einer Glasmanufaktur in Saint-Just-Sur-Loire (bei Paris). Die aus der evangelischen Kirche in Linz am Rhein stammende Orgel wurde 1968 von den Gebrüder Späth Orgelbau (1894-1971) in Ennetach-Mengen umgebaut. Sie besteht aus 20 Registern, hat zwei Manuale und Pedal. Im Jahr 2008/09 renovierte die Licher Orgelbaufirma Förster & Nicolaus die Orgel grundlegend. Die Register: Manual I (C-g'''): Prinzipal 8', Konzertflöte 8', Oktave 4', Kleingedackt 4', Nasat 2 2/3', Nachthorn 2', Mixtur 4 fach, Trompete 8'. Manual II (C-g'''): Gedeckt 8', Dulzflöte 8', Blockflöte 4', Prinzipal 2', Sifflöte 1 1/3', Scharff 3 fach, Dulzian 16', Tremolo. Pedal (C-f1): Subbass 16', Oktavbass 8', Pommer 8', Piffaro 3fach, Posaune 16'. Koppeln: I/II, I/P, II/P. Spielhilfen: zwei freie Kombinatonen, Schweller (II. Man.), Walze, Tutti, Zungen ab. In der Krypta, St. Michaelkapelle, steht ein schlichter Altarstein aus rotem Sandstein, der aus der Schlosskapelle Hirschhorn stammt. Hinter dem Altar in der Wand ist der Tabernakel mit einer Ablage und darüber das runde Mosaikglasfenster mit der Darstellung des himmlischen Jerusalem von Heinz Hindorf, eines seiner letzten Glasfenster. Die Marienfigur schuf der Drechsler Eich aus Erbach/Odw. Die Bronze-Sitzbank und weiter Bronzeelemente der Kirche wurden in der Firma Glassl (Michelstadt) nach Entwurf gegossen. Auf Grund der vielen katholischen Heimatvertriebenen aus den ehemaligen Ostgebieten wurde auf der Bischofskonferenz 1955 ein Aufruf an die großen katholischen Verbände in der BRD, beim Bau einer Diasporakirche zu helfen. Der Zentralverband der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften e.V. sammelte über 100.000 DM, so dass die Kirche ihren Schutzpatron, den hl. Sebastian als Patrozinium, erhielt. In gleicher Höhe spendete der ortsansässige Fabrikant Bernhard Koziol. Auf seine Fürsprache bei Bischof Volk kam es zur Unterkellerung der Kirche. Auch geht auf Koziol der sog. Ring-Rosenkranz zurück, welchen er für die Pfadfinder von Michelstadt entwarf und der dann weltweit für die Pfarrei vertrieben wurde.
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